Grußwort 2012

Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehn wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.   -   Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6, Verse 16 bis 21

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage,

Hans-Jörg Voigtrichtiges Fasten ist etwas, was im Verborgenen geschieht – so jedenfalls sagt es der Herr Christus in dem oben zitierten kleinen Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus. Es geht nicht darum, die Art des Fastens und die vermeintlichen Fastenerfolge in der Öffentlichkeit zu diskutieren oder sogar damit anzugeben. Fasten ist etwas sehr Intimes, etwas das sich vor allem zwischen dem einzelnen Menschen und Gott abspielt.

Fasten braucht Zeit, braucht Vorbereitung, braucht Geduld. Es ist nichts, was wir mal eben schnell im Vorbeifahren erledigen und dann "abhaken" könnten. Vielleicht ist es auch deshalb nicht so populär, weil es nur schwerlich zu unserem hektischen Lebensalltag passt, in dem wir von so vielen Fremdfaktoren beeinflusst sind. Kaum einer von uns ist wirklich Herr seiner Zeit. Den Terminkalender füllen uns andere. Geschäftsessen, Gespräche, Sitzungen, Sonderschichten, Überstunden werden uns von außen "aufgedrückt". Oder auch das Alleinsein, die Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sorgen im Blick auf Beziehung und Familie – alles das sind Faktoren, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen, die belasten, die uns den Blick und die Zeit für uns selbst und für Gott rauben.

Fasten braucht Zeit, braucht Vorbereitung, braucht Geduld. Christus weist daraufhin und sagt, wie man es richtig anfangen soll: "Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; …" Es geht mit der Vorbereitung los – sich waschen, sich reinigen, sein Haupt salben. Das ist im tatsächlichen Sinn gemeint und im übertragenen. Wer vor Gott tritt, soll sich dessen bewusst machen, dass er dem Schöpfer der Welt gegenübersteht, dem Ewigen, vor dem sich alle Geschöpfe verneigen müssen. Das wird deutlich durch die Reinigung. Die Salbung mag ein verborgener Hinweis auf die Taufe sein: Erinnere Dich daran, dass Du getauft bist!" Wer in alter Zeit gesalbt wurde, war jemand ganz Besonderes: ein König oder Prophet. Wir sind auch etwas Besonderes, weil wir getauft sind und zu Gott gehören. Und indem wir damit anfangen uns vorzubereiten, treten wir ein in den Bereich des Gesprächs mit Gott. Das braucht Zeit und Ruhe und Geduld.

Sicher hört Gott auch, wenn wir ihn aus unserem lauten und stressigen Tag um Hilfe anrufen. Aber sind wir auch in der Lage, sein Antworten zu hören? Die Aktion „7 Wochen mit“ will zum Hören helfen.

Ich lade Sie ein, in der Fastenzeit 2012 sich ganz bewusst Zeit zu nehmen, vor Gott zu treten – buchstäblich, in dem Sie eine Kirche aufsuchen und vor dem Altar knien und beten, und innerlich in Ihrem Herzen, dass Sie auf Gottes Stimme neu hören können.

Und das braucht von Ihren Mitmenschen niemand zu sehen. Gott sieht es!

Herzliche Grüße
Ihr

+ Bischof Hans-Jörg Voigt