7. Kreuzeswort

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht!", und neigte das Haupt und verschied.

(Die Bibel: Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 19, Vers 30)

„Es ist vollbracht!" – Was ist vollbracht? Die Sinnlosigkeit seines Sterbens?
Der, der Ströme des lebendigen Wassers versprochen hat, ruft sterbend: „Mich dürstet";
der Unschuldige stirbt den Verbrechertod;
die Schuldigen stehen frei und ledig unter seinem Kreuz, leben weiter und sollen Vergebung erlangen;
die Jünger, die Getreuen, erweisen sich als untreu;
der Verbrecher, Feind göttlicher Gebote, erweist sich als Gottes Freund;
der Mutter wird grausam der Sohn genommen und gerade dadurch soll ihr die göttliche Liebe zuteil werden?

Ist das Kreuz nicht eher grandioser, offenbarer Misserfolg, sodass statt von Vollendung besser von Ende und Zusammenbruch zu reden wäre?

Ja, das Kreuz ist ein Misserfolg, eine Zerstörung, ein Zusammenbruch, eine Torheit. Denn: Durch diese Sinnwidrigkeit wird das Elend unserer menschlichen Klugheit endlich beendet. dadurch, dass ein Unschuldiger der Mittelpunkt der Sinnwidrigkeit von Golgatha ist, ist das Kreuz höchste Weisheit (1. Korinther 1, 18 bis 31). Gott selbst unterzieht sich dem Misserfolg des Kreuzes und vollbringt damit die Vollendung des Kreuzes.

Was ist vollbracht?
Alles ist vollbracht! (Johannes 19, 28). Nicht nur Christus, sein Leiden und sein Auftrag, sondern auch wir. Nichts ist mehr unvollendet:
Die Sünden sind vergeben, der Sünder ist gerettet, vollendet.
Beseitigt ist die Trennung zwischen Gott und Mensch, Gott ist uns wieder offenbar und nah.
Der Tod regiert nicht mehr, wir sind im ewigen Leben.
Die gefallene Schöpfung ist erlöst, eine neue Schöpfung ist vollbracht.

Dies ist aber nicht augenfällig sichtbar in dieser Welt, wohl aber in Christi Wirklichkeit. Am Kreuz hat Jesus das Werk vollbracht, das Gott ihm aufgegeben hatte, am Kreuz trat Jesus an unsere Stelle und stellte uns an seinen Platz. Darum ist seine Zukunft auch unsere Zukunft. Nichts kann uns mehr von ihm scheiden (Römer 8, 31-39). Wir sind im Glauben an ihn und durch seine Versöhnung untrennbar verbunden mit ihm – in Ewigkeit.

Das ist vollbracht!