2. Kreuzeswort

Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: „Bist du nicht der Christus?Hilf dir selbst und uns!" Da wies ihn der andere zurecht und sprach: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen, dieser aber hat nichts Unrechtes getan." Und er sprach: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!" Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein."

(Die Bibel: Evangelium nach Lukas, Kapitel 23, Verse 39 bis 46)

Jesus ist nicht ans Kreuz gegangen, hat sich auch nicht ans Kreuz hängen lassen, um die Sünde der Menschen zu verewigen, sondern um sie zu beenden.

Er hat nicht gelitten und ist nicht gestorben, um unser Mitgefühl zu Tränen zu rühren, sondern um uns zu Siegern über Sünde, Tod und Verzweiflung zu machen.

Sein Ende war der große Anfang. Sein Untergang war der gewaltige Sieg.

Der erste, den Jesus an seinem Sieg teilhaben ließ, der sich bislang nicht um Jesus, nicht um seine Verkündigung und auch nicht um die Gebote Gottes gekümmert hatte: ein Verbrecher. Keiner aus Jesu Jüngerschaft oder von den Schriftgelehrten! Außer ihm, dem Verbrecher, erkennt niemand den Sieg Jesu am Kreuz. Alle anderen wollen nicht wahrhaben, was geschah, was sie miterleben mussten, obwohl Jesus es ihnen angekündigt hatte: Seinen Jüngern hatte er sein Leiden und Sterben angekündigt (Lukas 9, 21-22; Lukas 9, 44-45; Lukas 18, 31-34 und die Parallelstellen bei Markus und Matthäus), Schriftgelehrte hatte er gescholten wegen ihres Unglaubens, obwohl die Schrift von ihm zeugte, und Maria wurde schon kurz nach der Geburt Jesu von Simeon prophezeit, dass ein Schwert durch ihre Brust gehen würde.

Der Verbrecher, der Mörder allein vermag den Sieg Jesu am Kreuz zu erkennen und auszusprechen – aber nicht deswegen, weil er ein Verbrecher ist, sondern weil er seiner Schuld erkannte und daran verzweifelte. Er wollte nicht die Rettung vom Kreuz, sondern die Rettung durch das Kreuz Jesu, auf dass ER Recht behalte. So konnte er den Sieg Jesu am Kreuz wahrnehmen.