Johannes 19, 5

Welch ein Mensch!

(Die Bibel: Das Evangelium nach Johannes, Kapitel,19, Vers 5)

Welch ein heruntergekommener Mensch: gefangen, geprügelt, verspottet, verlassen. Nichts ist mehr übrig von den Zeichen der neuen Schöpfung Gottes, die den Jüngern an Jesus aufgegangen war, so dass sie bekannten: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater." Jetzt aber sieht Jesus „alt" aus. Nur noch Fesseln und Wunden und Spott sind zu sehen: Da muss einer leiden unter der Ungerechtigkeit und Gottesferne dieser Welt. Welch ein heruntergekommener Mensch!

Zu dir und mir ist er so heruntergekommen. Verwundert erkenne ich erst hier, wo ich entdecke, wie tief der Mensch gewordene Gottessohn heruntergekommen ist, wo ich mich eigentlich befinde. Ich sehe den in Jesus zu mir herunter gekommenen Gottessohn an und entdecke, dass ich, solange wie mir meine Sünde im Vergleich zu Sünden anderer geringer, weniger verwerflich erschien, meine Gottesferne noch überhaupt nicht wirklich erkannt hatte. Auf einmal merke ich, wie ich – obwohl ich öffentlich bekenne, dass ich ein „elender sündiger Mensch" bin – mich doch immer wieder selbst rechtfertige und so mit meiner Sünde allein bleibe und damit heillos in sie verstrickt und gefangen.

Aber auch in die Einsamkeit dieser Gefangenschaft kommt Jesus zu mir herunter und ich entdecke, dass „Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin." Gerade da, wo mir aufgeht, dass meine Sünde die allergrößte die allerschwerste und verwerflichste ist, da kommt Er und spricht mich frei.

„Seht, welch ein Mensch", sagt Pilatus und wird damit ungewollt zu einem Propheten der neuen Schöpfung. Seht, in Jesus ist der da, der Sünde, Tod und Teufel alt aussehen lässt und dich und mich neu.

Pfarrer Bernd Reitmayer


Der redaktionell geringfügig angepasste Text ist zuerst im Feste-Burg-Kalender veröffentlicht worden: www.feste-burg-kalender.de.