Johannes 12, 24

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

(Die Bibel: Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 12, Vers 24)

Ein Weizenkorn versteckte sich in der Scheune. Es wollte nicht gesät werden. Es wollte sich nicht opfern. Es wollte nicht sterben. Es wollte sein Leben retten. – Eines Tages kam der Bauer. Mit dem Staub der Scheune fegte er das Weizenkorn weg. Seinen Sinn und seine Bestimmung hatte es verfehlt; denn es wurde nie zu Brot. Es kam nie auf den Tisch. Es wurde nie gesegnet und ausgeteilt. Es schenkte nie Leben. Es schenkte nie Freude.

Eigenliebe isoliert und macht einsam, wie diese Kurzgeschichte zeigt. Anders hingegen Liebe, die sich anderen schenken und mitteilen will. Von dieser Liebe der Hingabe ist Jesu Leben bestimmt. Jesus vergleicht sich mit einem Weizenkorn. Nicht mit einem das sich versteckt und schont, sondern das Leben und Erfüllung schenkt.

Gott hat seinen Sohn Jesus Christus Mensch werden lassen und in den Acker der Welt gesät, wo er stirbt und vergeht. Aber nicht sinnlos. Aus ihm keimt ein Halm, der schließlich als Frucht eine Ähre mit vielen Körnern trägt. Jesu Leiden und Sterben ist kein Zufall, keine Panne, sondern von Gott beabsichtigt und gewollt. Jesu Tod war notwendig, weil Gott dadurch unsere Not wendet. Wir sollen nicht isoliert bleiben, sondern durch Jesu Tod von unserer Schuld erlöst und mit Gott versöhnt werden.

Das ist die Frucht von Jesu Sterben für uns. So liebt Gott eine kaputte und zerrissene Welt und schenkt allen, die an Jesus Christus glauben, ewiges Leben, das schon hier seine Früchte zeigt. Trotz aller Nöte haben wir in Christus mehr Grund zur Hoffnung und Freude als zur Klage und Resignation.

Pfarrer Eggert Klaer


Der redaktionell geringfügig angepasste Text ist zuerst im Feste-Burg-Kalender veröffentlicht worden: http://www.feste-burg-kalender.de.