Grußwort 2015

„Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden;
und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“
Lukas 18,14


Liebe Schwestern und Brüder,

Bischof Hans-Jörg VoigtSelbstoptimierung nennt es der junge Mann, der mit Hilfe der Sportapp mit seinem Smartphone täglich Gewicht, Kalorienverbrauch und Fitness kontrollieren lässt. Selbstvermarktung beherrscht den Alltag der Künstlerin. Selbstverwirklichung streben fast alle an.

Aber Selbsterniedrigung? Das klingt nach etwas, von dem man besser die Finger lässt. Und das auch noch im Namen des Glaubens? Was meint Christus damit?
Er hatte gerade die Geschichte vom Pharisäer und von Zöllner erzählt, die beide beten. Der Pharisäer zählt Gott auf, was er alles Frommes getan hat. Und macht die anderen schlecht. Der Zöllner traut sich kaum in Gottes Nähe und bittet: „Gott, sei mir Sünder gnädig“. Und Gott nimmt den Sünder an.

Wir wollen mit der Aktion „7 Wochen mit“ einen Mehrwert in der Fasten- und Passionszeit entdecken. Ich schlage Ihnen vor, dass die Haltung des Zöllners diesmal der Mehrwert sein soll. Er erkennt sich als Sünder und gibt es zu. Er redet von sich und nicht von den anderen. Es ist noch nicht einmal die Tiefe seiner Reue und Zerknirschung, die ihn gerechtfertigt nach Hause gehen lässt, sondern Gottes Liebe und sein Erbarmen.

Was wird passieren, wenn wir sieben Wochen lang nur Gottes Urteil über uns gelten lassen? Wenn wir kein Wort über die Fehler anderer verlieren? Wenn wir nicht auf unsere Verdienste hinweisen, selbst wenn wir es könnten?

Wer unter dem Kreuz steht, kann nicht sagen: „Herr ich danke dir, dass ich nicht bin wie die anderen Leute…“, sondern nur bitten „Gott sei mir Sünder gnädig.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Passionszeit.

Bischof Hans-Jörg Voigt