Predigt: 1. Korinther 1,26-31


Predigt über 1. Korinther 1,26-31 | Pfarrer Markus Büttner
Predigtreihe IV
1. Sonntag nach Epiphanias (7.1.2018)
in der Evangelisch-Lutherischen St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.

Gottes heiliges Wort, unter das wir uns stellen, steht geschrieben im 1. Brief des Heiligen Apostels Paulus an die Korinther im 1. Kapitel, Verse 26-31:

26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.
27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;
28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist,
29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.
30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,
31 damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9,22-23): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«

Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein heiliges Wort und bitten dich: Sende den Heiligen Geist, dass er Frucht schaffe, die bleibt, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn, Amen.

Liebe Gemeinde!
Seit heute reden die beiden großen Volksparteien miteinander, um herauszufinden, ob sie miteinander regieren wollen. Verschiedene Punkte stehen auf dem Programm und müssen besprochen werden. Punkte in diesen Gesprächen werden wohl sein, Bildung, die größer werdende Schere von Arm und Reich, die gerechte Verteilung der Güter.

Nun könnte mancher Prediger versucht sein, aus dem diesem Wort heiliger Schrift eine parteipolitische Rede zu machen, wie es sich wohl beim vergangenen Weihnachtsfest in der evangelischen Gemeinde Nikolassee, nur einen Steinwurf von uns entfernt, durch den ehemaligen SPD-Minister und heutigen Pfarrer Steffen Reiche gehalten wurde. Medial sorgte diese Predigt für großes Aufsehen. Zu viel Parteipolitik, zu wenig Glaube, war die Ansicht eines Chefredakteurs, womit er dann eine Welle losgetreten hat, die teilweise immer noch nicht ganz verebbt ist.

In der Tat geht es dem Apostel Paulus auch in diesem Wort heiliger Schrift gerade nicht um Parteipolitik des 21. Jahrhunderts – einerlei welcher politischen Farbe. Jeder Prediger gebe acht, dass er dieses Wort nicht parteipolitisch missbraucht und sich in den Untiefen Politik verheddert.

Denn dem Apostel Paulus geht es um etwas ganz anderes. Ihm geht es um den Gekreuzigten. Paulus hat den Korinthern die Herrlichkeit des Kreuzes Jesu Christi für unsere Erlösung vor Augen geführt für die, die an den Gekreuzigten und Auferstandenen Glauben.

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. (1. Korinther 1,18)

Weil die Korinther der Verkündigung des Apostels Glauben geschenkt haben, erinnert er sie gleich zu Beginn seines Briefes daran. Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden… (1. Korinther 1,6).

Der Glaube an Jesus Christus hat Wurzeln geschlagen. Der Glaube ist Antwort auf die gehörte Predigt. Nun steht dieser Glaube in der Gefahr auch wieder verloren zu gehen. Er ist bedroht. Der Glaube ist gefährdet durch innere Anfechtungen und äußere Bedrohungen. Meint denn Gott mich mit seiner Liebe? Darf ich trotz meiner Schuld wirklich ganz Kind Gottes sein? Und die Mehrheitsgesellschaft, wie steht sie zu Glaube und Kirche? Wird es nicht zunehmend schwieriger ein authentisches christliches Leben zu führen?

Anfechtungen von außen und Zweifel von innen, lässt Paulus von der Herrlichkeit und Gotteskraft des Kreuzes predigen. Und er erinnert daran auf die Berufung zu sehen. Wir Menschen damals und heute stehen in der Versuchung auf alles Mögliche zu sehen und dabei die Berufung als Christ aus dem Blick zu verlieren. Daher mahnt der Apostel hier zunächst auf eben die Berufung durch Gott zu sehen. Gemeint ist die natürlich die Heilige Taufe. In der Heiligen Taufe hat der Dreieinige Gott dich herausgerufen und dich bei deinem Namen gerufen! Du gehörst seither zu ihm. Du bist sein Kind. Erbe sollst auch sein. Ja, da bist gewürdigt und geadelt Kind Gottes zu sein. Ausgerüstet und beschenkt mit allerhöchsten Würden. Kraft deiner Taufe! Herausgerufen aus dem Machtgefüge dieser Welt, eingefügt in die Welt Gottes.

Nur ist es so, dass auch ein Christ dazu neigt, diese seine kostbar am Kreuz erkaufte und in der Heiligen Taufe geschenkte Berufung in Gottes Welt aus dem Blick zu verlieren. Die schon  beschriebenen inneren Zweifel und bzw. oder äußeren Anfechtungen, können dazu beitragen. Schuld, die so übergroß erscheint, dass die vergebende Liebe Gottes klein wirkt. Die Attraktivität  dessen, was die Welt einem verspricht, wenn man ihr folgt und nach ihren Maßstäben lebt, können uns die Berufung Gottes in der Heiligen Taufe kleiner werden oder vergessen lassen. Die Zeit für  den Glauben unter der Woche nimmt ab, der Gottesdienst wird einem ferner und dadurch fremder. Auch ein Christ steht dann in der Gefahr, auf alles möglich acht zu geben und in den Blick zu  nehmen, sodass nach und nach das Geschenk der Taufe verblast.

Daher die Mahnung seine Taufe im Blick zu behalten. Denn die Taufe will dich von der Zukunft Gottes her leben lassen, damit du dein Leben von deiner Berufung aus gestaltest. Das heißt für Paulus  im Umkehrschluss nun nicht, dass die in Gottes Welt Berufenen auch in dieser Welt Weise, Mächtige und Angesehene werden. Christsein und hoher Intellekt, Macht und Ansehen in der Gesellschaft  müssen nicht miteinander einhergehen.

Nach menschlichen Maßstäben mögen Intellektuelle, Mächtige und Angesehene wichtig sein. Gott selbst schaut nicht auf das, was einer in dieser Welt ist, sondern wie er vor ihm dasteht. Die  Gemeinde zu Korinth ist ein Zeichen dafür, dass Gott nicht auf menschliche Maßstäbe acht gibt, wenn er Menschen durch die Heilige Taufe beruft. So beschreibt der Apostel Paulus nüchtern:

Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.

Nicht viele Intellektuelle, nicht viele wirtschaftlich, gesellschaftlich und finanziell Mächtige, Einflussreiche, Vermögende sind berufen. Kein Grund zur Überheblichkeit, nach dem Motto: „Wie gut, ich  gehöre zu keinen dieser Leute.“ Und dann: Paulus schreibt nicht: alle! Er schreibt, viele. Es gibt also Intellektuelle, Mächtige und Angesehen in dieser Welt, die es mit ihrem Christsein ernst meinen.  Ja, Gott sei es gedankt für jeden Einzelnen Intellektuellen, Mächtigen und Angesehenen der Christ ist, sein Christsein lebt und sich für Kirche und Glaube einsetzt. Da können wir  tatsächlich auch dankbar dafür sein, dass es Christen an hohen verantwortlichen Stellen gibt, die sich ihrer Berufung als Christ auch bewusst sind und damit auch nicht hinter dem Berg halten,  sondern offensiv zu ihrem Christsein stehen und es in ihrem Reden und Handeln auch dokumentieren. Zudem ist es nicht unsere Aufgabe über die Vielen zu urteilen. Das bleibt Gottes Sache. Jetzt  könnte man auf Spurensuche gehen, warum viele Intellektuelle, Mächtige und Angesehene, die Eliten der Gesellschaft aus Sport, Politik, Wirtschaft, Medien, sich nicht von Gott rufen lassen. Aber hilft es denen oder gar uns?

Offensichtlich setzte sich die Mehrheit der Gemeinde zu Korinth eher aus den niedrigeren sozialen Schichten zusammen, nur wenige gehörten der gut ausgebildeten und einflussreichen Obersicht  an. Paulus stellt nun diesen sozial und gesellschaftlich dominierenden Persönlichkeiten und Eliten mit Prestige und manchen Privilegien diejenigen gegenüber, die nicht eine Gesellschaft, sondern  Gott im Blick hat, weil er sie erwählt hat. Da sind die Törichten in der Welt, auf die Gott blickt. Es sind also diejenigen, die nicht zur intellektuellen Elite gehören, nicht brillant geschult sind im Denken  und Reden, die nicht nach ihrer Meinung gefragt werden, sondern die mit einem müden Lächeln übergangen werden. Durch die Erwählung der Törichten macht Gott die intellektuellen  Eliten, die ohne Gott die Welt und das Leben zu erklären versuchen, zu den Dummen. Einfältig ist der, der die Rechnung ohne Gott macht. Oder um es noch einmal mit Paulus zu sagen:

Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt  selig zu machen, die daran glauben. (1. Korinther 1,20c+21)

Dann nennt Paulus die Schwachen. Wir würden heute vielleicht sagen: Die Abgehängten in der Gesellschaft. Leute ohne große Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Leben, Menschen ohne ernsthafte  Entscheidungskompetenz, sondern im Gegenteil: Befehls-, Anweisungsempfänger, Abhängige, Menschen ohne Lobby, Ausgegrenzte, der kleine Mann von Nebenan. Vielleicht sind die Schwachen auch die charakterlich Schwachen.

Weiter nennt er die Geringen und Verachteten in der Welt auf die Gott bei seiner Erwählung ein Auge geworfen hat. Es sind die Unvermögenden, Einfluss- und Rechtlosen – die Abgehängten. Sie erwählt der große Gott und ruft sie in seine Gemeinschaft.

Warum schreibt Paulus das? Geht es ihm doch um Politik? Nein. Ein kleine Wendung in Vers 28 machte es uns überdeutlich: das, was nichts ist. Bei der Berufung zum Christsein, bei der  Gemeindewerdung, geschieht die Neuschöpfung aus dem Nichts. So wie Gott einst diese Welt aus dem Nichts erschaffen hat, so schafft er durch sein Wort Christen, Gemeinde, Kirche. Und dieses  Wort, das schafft, wozu es gesandt ist, ist kein anderer als ewige Wort, das Mensch geworden ist, Jesus Christus!

Wer mit leeren Händen zu Christus, dem füllt er sein Leben mit seiner Gnade. Einerlei, wie sein Kontostand im Augenblick ausschaut.

Wer mit schlichtem Glauben zum Herrn der Welt tritt, dem schenkt er Frieden, der höher ist als Vernunft. Einerlei, welchen Bildungsabschluss du hast.

Wer sich in seiner Schwachheit unter das Kreuz schleppt, der wird durch seinen Leib und Blut gestärkt. Einerlei, ob du zu den Abgehängten oder zu den Entscheidungsträgern gehörst.

Wer sich in seiner ohnmächtigen Verzweiflung dem Gekreuzigten ausliefert, der soll durch die Macht des Auferstandenen Anteil haben an Gottes neuer Welt.

Der Dreieinige Gott erwählt die Abgehängten, die Taugenichtse, die Schwachen, die Ohnmächtigen, die Einfältigen, aber auch einige Eliten, wenige Mächtige, ein paar Intellektuelle, um sie zu rufen  in seine neue Welt. Mit diesen Leuten baut er seine Kirche. Und da ist Gottes Erwählungshandeln so ganz anders als unser menschliches Denken und Handeln. Eine Personalabteilung will den  Leistungsstärksten. Ein Unternehmen will die klügste Köpfe. Gott aber erwählt und würdigt die, mit denen auf den ersten Blick nichts anzufangen ist. Mit diesen aber wird Kirche Jesu Christi gebaut.  Hierbei geht es Gott nicht irgendwie um ausgleichende Gerechtigkeit, als wenn Gott eine Revolution anzetteln wollte. Die alten Eliten werden gestürzt und werden durch die bisher  Unterprivilegierten ersetzt. Die Abgehängten nehmen die Plätze der Macht ein. Nein, das ist wieder Politik. Das ist wieder menschlich gedacht.

Gottes Macht ist verborgen in seiner Ohnmacht. Anders: Gottes Sohn kommt in einem Stall in der jüdischen Provinz zur Welt, nicht in einem Palast in der Hauptstadt Jerusalem. Der Herr der Welt kommt als schwacher Säugling. Seine Macht ist in seinem Wort verborgen.

In der Tiefe lässt sich dieser Gott finden. Heute noch!

Verborgen unter Brot und Wein, seinen Leib und sein Blut.
Unscheinbar unter der Handauflegung, Sündenvergebung.
Verhüllt im Wasser, Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.
Verdeckt im Predigtwort, Gottes leben schaffende Ansprache.

In der Tiefe lässt er sich finden, nicht in der Höhe. Und daran wird sich zeigen, ob sie diesen großen Gott, der sich klein, arm und schwach gemacht hat und weiter macht, wirklich Gott sein lassen  oder ob sie sich erheben mit ihren eigenen Lebensentwürfen und Maßstäben. Er allein schafft für dich das Heil. Dass Gott die Abgehängten erwählt, ist ähnlich der Rechtfertigung des Gottlosen.  Durch sein schaffendes Wort ruft er die Schöpfung aus dem Nichts ins Dasein und er wird aus dem Nichts kraft seines Wortes die Totenerweckung heraufführen. So schafft und erwählt er die  Abgehängten aus dem Nichts, damit er das, was nichts ist vor der Welt, beruft und erwählt für seine Welt. Es gibt nichts, was einen Menschen von sich aus für diese Welt Gottes qualifiziert. Kein  Intellekt, kein Konto, keine Macht, keine Herkunft. Nur Gnade!

Denn vor Gott kann sich kein Mensch rühmen. Selbstruhm – Eigenlob – Glaube an sich und seine Fähigkeiten, Stolz, Selbstbestimmung in allen Bereichen des Lebens sind vor Gott ausgeschlossen.

Denn Gott erwählt die, die nichts sind. Er beruft, die nichts gelten. Kein Mensch kann sich vor Gott rühmen, einzig des Gekreuzigten kannst du dich rühmen. Du bist ja der Beschenkte und kannst  dich deshalb nur des Gebers aller guten und vollkommenen Gabe rühmen: Jesus Christus! Denn du gehörst seit der Taufe zu ihm und bist sein Eigentum. Denn sein Kreuz durchkreuzt alles eigene.  Alles, was du bist und was du hast, was du kannst, das hast bist von Gott und hast du von Gott. Dass du zu ihm gehörst, verdankst du deshalb auch ganz ihm. Allein der gekreuzigter Herr ist  Gottes Weisheit. Ausschließlich der ans Kreuz Gehängte ist deine Gerechtigkeit. Nur Jesus Christus ist deine Erlösung und deine Heiligung.

Deshalb gebührt der Ruhm allein ihm – dem Herrn! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne
in Christus Jesus, unserem Herrn, Amen.

SOLI DEO GLORIA

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