Kurzpredigt: Lukas 23,43


GOTTFRIED HEYN
Passionsandacht am Mittwoch nach Invokavit, 12.3.2014
in der Bethlehemskirche der SELK in Hannover, 19.30 Uhr
Kurzpredigt über Lukas 23,43

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Gemeinde: Amen.

Gottes heiliges Wort, das unserer Predigt zugrunde liegt, steht im Evangelium nach Lukas im 23. Kapitel:
Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Liebe Gemeinde,

bevor Jesus am Kreuz gestorben ist, hat er noch mit den Menschen in seiner Umgebung gesprochen. So schrecklich und qualvoll das Sterben für einen gekreuzigten Menschen ist, das Warten darauf, dass der Körper seine Lebensfunktionen verliert und der Tod eintritt, so sehr – auch wenn es widersinnig klingt – so sehr ist dadurch noch Gelegenheit gegeben, letzte wichtige Worte zu sagen. Das, was oft nach dem Tod eines geliebten Menschen bereut wird: „Ich hätte ihm das oder das gerne noch gesagt!“, „Ach, hätte er doch noch mit seinem Ehepartner, mit seinen Kindern einmal kurz sprechen können!“, diese Gelegenheit hatte der Herr, als er sterbend am Kreuz hing. Einer dieser wichtigen Wortwechsel ist das kurze Gespräch mit dem einen der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Es ist der, der um Vergebung bittet, der seine Sünden bereut, der offenbar erkannt hatte, wer da neben ihm am Kreuz hing. „Jesus gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Woher wusste er, wer dieser Jesus ist? Woher wusste er, wohin Jesus nach seinem Tod geht? Woher wusste er, dass er Jesus um Hilfe bitten kann?

Fragen, die offen bleiben. Fragen, auf die wir keine Antwort bekommen. Fragen, die aber erahnen lassen, dass die Gegenwart Gottes in seinem Sohn Jesus Christus offensichtlich etwas bei den Menschen bewirkt!

Jesus stellt diese Fragen nicht. Er weiß schon längst, dass der Verbrecher neben ihm sich zu ihm bekehrt hat. Deshalb antwortet er ihm ganz schlicht: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Drei Gedanken will ich aus diesem Satz unseres Herrn zu Gehör bringen und euch heute weitergeben. Fangen wir hinten an.

Der erste: Du wirst mit mir im Paradies sein. Es gibt ja so verschiedene Vorstellungen davon, wie das Paradies aussehen sollte, oder was man dort erwarten dürfte. Vermutlich stimmen sie alle nicht. Denn keiner von uns war zusammen mit Adam und Eva im Paradies. Wir kennen nur diese Erde, unsere Welt, die auf jeden Fall nicht das Paradies ist.

Ich will nicht darüber spekulieren, wie das Paradies sein könnte. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Jesus weiß, wo er nach seinem Tod hingeht und das dies ein Ort ist, an den er Menschen, die an ihn glauben mitnehmen oder nachholen wird.

Folgen wir dem innerbiblischen Zusammenhang, dann wird klar, dass dieses Paradies der Urzustand der Schöpfung sein muss, in dem noch keine Sünde uns von Gott trennte. Ja, es muss eine völlige  Überbietung des ursprünglichen Paradieses sein, offensichtlich der „Ort“, an dem Gott selbst ist. Ich sage „Ort“ in Anführungszeichen, weil Gott nicht an Raum und Zeit gebunden ist. Er lebt in der Ewigkeit. Etwas, das wir uns nicht vorstellen können. Dahin nimmt Jesus den mit ihm gekreuzigten, reuigen Verbrecher mit.

Der zweite Gedanke: Heute! Darin steckt vielleicht nur ein winziges, aber umso wichtigeres Detail. Jesus weiß, dass in einigen Minuten oder Stunden der Tod der drei am Kreuz hängenden Männer eintreten wird. Ihr Tod ist voraussehbar. Dann werden die gefolterten und verwundeten Körper dieser Männer am Kreuz hängen, entseelt, leblos, kalt, tot. Man wird die Leichname irgendwann abnehmen und beerdigen. Und dann stellt sich ja die Frage, was ist mit den Seelen dieser Männer? Das ist eine Frage, die uns selbst ja auch immer wieder umtreibt, nicht nur wenn wir mal wieder zu einer Beerdigung gehen. „Ich glaube fest daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Aber wo bin ich denn nach meinem Tod? Werde ich irgendwo abgestellt, geparkt, zwischengelagert, auf einem besonders schönen Friedhof oder schmore ich noch einige Zeit im Fegefeuer?“
Jesus gibt uns eine einfache und klare Antwort: Heute! Heute!
Du brauchst dir über deinen Verbleib nach deinem Tod keine Sorgen zu machen. Auf dem Friedhof begraben sie nur deine sterbliche Hülle. Das ist Geschichte, Vergangenheit. Da bist du längst mit deinem Gott im Himmel, im Paradies!

Und der dritte Gedanke: „Jesus spricht: Wahrlich, ich sage dir.“ So kann nur Gott reden. In dieser Vollmacht und mit dieser Wirkung. Es ist das Wort dessen, der die Welt erschaffen hat, der Sonne, Mond und Sterne, das Wasser, die Erde, die Pflanzen und Tiere und zuletzt den Menschen geschaffen hat, allein durch die Macht seines Wortes. Der spricht hier! Es ist der, von dem es im Johannesevangelium heißt, dass er das Wort selbst ist. Person und Wort fallen bei Gott in eins zusammen. Der spricht hier. Und für den ist es ein Leichtes zu sagen: Und wenn du hundertmal den qualvollstes Tod sterben müsstest: Wahrlich, ICH sage dir: Heute wirst du mir im Paradiese sein.

Liebe Gemeinde, lasst uns alle zusammen mit dem Verbrecher zu unserem Herrn sagen: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Dann wird er antworten und zu dir sagen: Wahrlich, ich sage dir: Heute – und das heißt am Tag deines irdischen Todes – wirst du mir im Paradies sein.
Amen.


Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus
Jesus.
Gemeinde: Amen.

Copyright © 2018 | SELBSTÄNDIGE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (SELK)