Kurzpredigt: Lukas 23,33-34


GOTTFRIED HEYN
Passionsandacht am Aschermittwoch, 5.3.2014
in der St. Petri-Kirche der SELK in Hannover, 19.30 Uhr
Kurzpredigt über Lukas 23,33-34

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Gemeinde: Amen.

Gottes heiliges Wort, das unserer Predigt zugrunde liegt, steht im Evangelium nach Lukas im 23. Kapitel:

Und als sie an die Stätte kamen, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Liebe Gemeinde,

obwohl die Fastenzeit, die Vorbereitungszeit vor Ostern, heute am Aschermittwoch gerade erst losgeht, werden wir durch diesen kleinen Abschnitt, den ich eben vorgelesen habe, schon gleich mitten in die Kreuzigungsgeschichte unseres Herrn Jesus Christus mit hineingenommen. Es kommt etwas unvermittelt über uns, aber so ist es uns vorgegeben.

Und die verschiedenen kirchlichen Fastenaktionen, darunter auch die Aktion „7 Wochen mit“ der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche wollen uns dabei helfen, uns in die Leidensgeschichte Jesu Christi hineinzudenken, hineinzufühlen, mitzuerleben, nachzuempfinden.

Es ist ein Weg, auf den wir uns heute begeben. Auf diesem Weg begleiten wir unseren Herrn auf seinem einzigartigen Weg hinauf nach Jerusalem, nach Golgatha, ans Kreuz. Sieben Wochen gibt uns unser kirchlicher Kalender Zeit; sieben Wochen, in denen wir Zeit und Gelegenheit nehmen können, über Sinn und Zweck des Todes des Gottessohns nachzudenken; sieben Wochen Zeit auch, uns auf das Fest des Lebens vorzubereiten: Ostern!

Es sind sieben Wochen, in denen wir auch neu beginnen können: neu beginnen, den Sinn des Leidens Jesu zu verstehen, neu beginnen, in unserem Leben etwas zu verändern.

Der kleine Abschnitt aus dem Lukasevangelium weist uns auf einen zentralen Gedanken der Leidensgeschichte Jesu hin. Das Stichwort heißt „Vergebung“. Vergebung, und zwar Vergebung unserer Schuld und Sünde, ist der Sinn des Leidens Jesu. Vergebung ist die Möglichkeit, in unserem Leben etwas zu verändern.

Denken wir noch einmal an die Szene am Kreuz: Jesus wird dort auf Golgatha hingerichtet zusammen mit zwei Kapitalverbrechern, deren Kreuze rechts und links von seinem aufgestellt werden. Nachdem die Kreuze aufgerichtet sind, bittet Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Zwei kleine Gedanken dazu will ich euch heute mit auf den Weg geben. Das eine ist die Anrede, die Jesus wählt: Vater. Sie weist auf den innergöttlichen Zusammenhang hin. Unser Gott ist kein Monolith, kein steinerner Götze, der nicht reden, der nicht atmen kann, der nicht lebt. Nein, unser Gott ist ein sehr lebendiges Wesen, das sich uns in drei Personen offenbart hat: als Vater, Sohn und Geist. Wie sich das innerhalb Gottes sozusagen verhält, das bleibt ein Geheimnis. Genauso wie es für uns unerklärlich bleibt, dass Jesus Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Der Bittruf Jesu, quasi ein innergöttliches Gespräch, weist uns auf diese göttlichen Geheimnisse hin und zeigt uns dadurch, dass die Fragen von Sünde und Vergebung, von Schuld und Gnade keine weltlichen Fragen sind, die wir hier auf der Erde zufriedenstellend lösen könnten. Es brauchte Gottes Eingreifen in diesen Fragenkomplex, damit es nicht zu einem teuflischen und für uns tödlichen Kreislauf kommt.

Das andere, worauf uns die Vergebungsbitte Jesu hinweist, sind wir, wir selbst.

Beim Hören der Passionsgeschichte kann man sich ganz schnell in einer Art Zuschauerrolle wiederfinden: Ja, ok, das sind ganz spannende Geschichten, die sich damals mit diesem Jesus zugetragen haben, aber mit mir hat das nichts zu tun.

Aus diesem Irrtum befreit uns der Bittruf Jesu. Denn da sind wir gemeint: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Aus dem ganzen neutestamentlichen Zusammenhang wissen wir, dass Jesus für die Sünden aller Menschen gestorben ist und dass wir genauso schuld sind an seinem Tod, wie die Menschen damals. Wir waren nicht dabei, damals vor knapp 2000 Jahren. Aber wären wir dabei gewesen, wir hätten genauso geschrieen: Kreuzige, kreuzige! Wir haben die Vergebung genauso nötig, wie die Leute damals.

Und es ist das andere Geheimnis Gottes, dass er Vergebung unserer Sünden geschaffen hat durch den Tod seines Sohnes am Kreuz.

Wir waren heute nachmittag mit dem Frauenkreis in der Synagoge in Stöcken. Und dort kam im Gespräch dann auch die Frage nach der Vergebung auf. Die Antwort, die wir bekamen, lautete: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Man kann um Vergebung bei Gott bitten, aber ob sie einem gewährt wird, das erfährt man nicht, das weiß man nicht.

Wir waren uns in unserer Gruppe hinterher in Gedanken einig: Wie gut haben wir es! Wir wissen, dass wir Vergebung unserer Sünden haben: fest und verbindlich einem jeden Einzelnen auf den Kopf zugesprochen in der Absolution und beim heiligen Abendmahl. Denn Gott hat die Bitte seines Sohnes erhört. Er lässt uns über seine Absicht mit uns und seinen Plan für uns nicht im Ungewissen.
Wie gut, dass Jesus damals gebetet hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Amen.


Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Gemeinde: Amen.

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