Lukas 23,43


Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

(Lukas 23,43)


Vielleicht war es Maria, die Mutter Jesu, die diese letzten Worte des neben Jesus gekreuzigten reumütigen Übeltäters hörte und sie Lulas berichtete, der sie uns überliefert.

Ich stelle mir, vor, dass dieser Übeltäter eine Mutter hatte, die in der Menschenmen-ge stand, die der Kreuzigung beiwohnte. Ganz hinten und außer Hörweite. Aber todtraurig über das bittere Ende des verpfuschten Lebens ihres Sohnes.

Welcher Art dessen Übeltaten waren, bleibt im Dunkeln. Für das Leiden einer Mutter, die vielleicht sein Jahren in Kummer um diesen „verlorenen Sohn“ lebte, die betete, hoffte und immer wieder enttäuscht wurde, spielt das keine Rolle.

Viele Christen kennen solche Menschen, die ein Leben ohne Gott und Glauben leben. Und sie machen sich sorgen, beten und bangen: Herr, lass sie doch umkehren zu dir!

Und es geht ihnen dann oft genug wie der Mutter des mit Jesus gekreuzigten Übeltäters. Sie bekommen es nicht mehr mit, was aber doch möglich ist: Dass ein Mensch, der nach menschlichem Ermessen verloren scheint, in seiner letzten Lebensminute noch oder wieder zum Glauben findet. Dass jemand mit dem Gebet „Jesus denke an mich!“ auf den Lippen oder im Herzen stirbt und Erhörung findet und gerettet wird. Dass der Same der Taufe, des Wortes Gottes, der längt vertrocknet und verdorrt schien, in dieser entscheidenden Sekunde noch keimt.

Ich finde: Solche Hoffnung ist keine billige Vertröstung, sondern tiefer Trost. Und dieser Trost hat einen Ort und ein Bild: den gekreuzigten Herrn Jesus Christus auf Golgatha. Den Glauben anderer Menschen kann ich nicht machen und erzwingen. Und auch nicht immer äußerlich merken. aber nicht, was äußerlich erkennbar ist, sondern was Christus erkennt, zählt am Ende.

„Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Wer weiß, wer das alles schon gehört hat oder noch hören wird, den wir hoffnungslos verloren glauben.

Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: machs nur mit meinem Enge gut.


Probst Gert Kelter | Feste-Burg-Kalender

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